Fronleichnam 2015

Fronleichnam 2015 in St. Peter Niederzeuzheim

„Man füllt nicht neuen Wein in alte Schläuche.
Neuen Wein füllt man in neue Schläuche“

(Matthäusevangelium 9, 17)

 

Die Anwendung dieses Jesuwortes auf die Fronleichnamsprozession ist dann folgerichtig:

Ein neuer Prozessionsweg kann nicht die alten Inhalte und Formen haben.
Ein neuer Prozessionsweg braucht neue Inhalte und Formen.

So geschah es an Fronleichnam 2015 in Niederzeuzheim.

Anknüpfungspunkt für die Fronleichnamsprozession war der Sendungsauftrag Jesu – 10 Tage zuvor, an Pfingsten – hinauszugehen in alle Welt und das Evangelium zu verkünden. Das taten wir im Anschluss an die Messfeier mit der Fronleichnamsprozession. Als „Volk Gottes unterwegs“ gingen wir einen verkürzten Prozessionsweg und machten
an zwei Stationen „Rast“. Dort stellten wir uns der Botschaft Jesu, die durch seine Gleichnisreden verkündet wurden
und die bildhaft als Blumenteppiche zu betrachten waren.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den aktuellen Erfahrungen von Korruption, Betrug, maßlosen Boni, Prämien und Gehältern, von luxuriösem und ausschweifenden Leben in unserer Gesellschaft und in anderen Ländern: Diesen Erfahrungen gegenüber stand an
der I. Station die Botschaft Jesu „vom reichen Kornbauern“, der bei allem Überfluss nur „seine Seele“, sich selbst
sieht und sich auf die Schulter klopft, was er für ein toller Kerl ist und vor lauter „Haben“ vergisst, wem er eigentlich
all das zu verdanken hat.  Das „Haben“ ist sein Lebensziel, das Besitzen macht ihn satt. Er hat genug, er braucht
Gott nicht mehr. Das „Sein“ spielte bei ihm keine Rolle, das Dankbarsein Gott gegenüber, der alles wachsen lässt,
der Leben überhaupt möglich macht, von dem die Schrift sagt: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir"
(Apg. 17,28).

Das „Sein in Gott“, die natürliche Lebensgrundlage wird nicht erkannt – das „Haben“ als Lebensgrundlage ist das Erstrebenswerte.


 

 

 

 

 

 

 

 

Mit  entsprechenden Gesängen aus dem Gotteslob, die von den Bläsern begleitet wurden und mit ausgewählten
zeitnahen aktuellen Gebeten aus dem Gotteslob hatte die versammelte Gemeinde Gelegenheit, auf die Botschaft
Jesu zu antworten und sie zu bedenken. Denn jeder steht in seinem Leben immer wieder vor der Entscheidung,
was ihm wichtiger ist: Das Haben oder das Sein: Für sich selbst Schätze sammeln – oder vor Gott reich sein! –
Die Hostie in der Monstranz gibt dazu eine eindeutige Antwort.

Mit dem eucharistischen Segen ging der Weg, begleitet nur von Blasmusik, weiter zur nächsten Station, die unter
dem Thema „Hingabe“ stand.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das biblische Beispiel dafür war die Rede Jesu „vom guten Hirten“.  Dieser Botschaft vom guten Hirten,  der nicht
andere opfert, sondern sich selbst, der alle seine Schafe beim Namen kennt, der den seinen mehr gibt als Versprechen, Unterhaltung und etwas für den Magen, dieser Botschaft stehen die Erfahrungen der Flüchtlingskatastrophen zu Wasser
und zu Land, die Betrügereien bei der letzten Bankenkrise, die andere für ihr Versagen geopfert haben, die nachlassende Bereitschaft, Pflegeberufe zu ergreifen und ähnliche gesellschaftliche Gegenwartsprobleme gegenüber.

,Auf sie antwortet der „Gute Hirte“.  „Hingabe“ ist sein Kennzeichen. –Seine Gegenwart im Zeichen des Brotes ist Nahrung und Sicherheit dafür, dass „Hingabe“ gelebt werden kann.  


 

 

Konfrontation mit Gegenwartsproblemen, die Menchen bedrücken

und Antworten aus der Botschaft Jesu

mit der Fronleichnamsprozession!

Ein „neuer Wein in neuen Schläuchen“!

Die „nachdenkliche Stille“ auf dem Weg und die Betroffenheit in den Gesichtern

ermutigen zu dieser neuen Form!

Diakon Bernd Pyrlik