Die Kreuzkapelle

Am Ortsausgang, in Richtung Frickhofen, steht seit über 300 Jahren die Kreuzkapelle. Sie ist neben der Pfarrkirche das wichtigste Gebäude in Niederzeuzheim.  Auf Anregung der Franziskaner, die damals die Pfarrei betreuten, ließ der Hadamarer Fürst Franz Alexander 1701 / 02 die Kreuzkapelle bauen. Vorbild dazu war die Herzenbergkapelle in Hadamar. Die Kreuzkapelle wurde gebaut, um eine Kreuzreliquie, die 1656 aus Rom über Trier in den Besitz der fürstlichen Familie kam, der öffentlichen Verehrung zugänglich zu machen. Der Kreuzaltar mit den Figuren und dem fürstlichen Wappen sind aus der "Hadamarer Barockschule". (siehe Fotoalbum)


Nachdem die Kreuzreliquie in das Eigentum der Pfarrei überging, entwickelte sich die Kreuzverehrung in Niederzeuzheim.  Der 3. Mai war der ursprüngliche Feiertag der Kapelle, es war das alte Fest „Kreuzauffindung“ – die Erinnerung daran, wie Kaiserin Helena das Kreuz Christi fand. (An dieses Ereignis erinnert heute noch das Bild auf der Altarvorwand in der Kreuzkapelle).  


Heute sind die wichtigsten Tage der Kreuzkapelle der jährliche „Kreuztag“ am Sonntag nach dem 3. Mai und das Fest „Kreuzerhöhung“ am 14. September. Der „Kreuztag“ ist der jährlich wiederkehrende Wallfahrtstag der Gemeinde, an dem in einer Prozession die Kreuzreliquie von der Pfarrkirche zur Kreuzkapelle getragen wird, und unter Beteiligung der Gemeinde  - mit Musik der „Musikfreunde Westerwald“ und der Gesänge der „Chorvereinigung Cäcilia – Katholischer Kirchenchor“ – eine feierliche Eucharistiefeier gehalten wird. Dieser Wallfahrtstag schließt am frühen Abend mit einer Kreuzfeier oder Kreuzvesper ab. Am Fest „Kreuzauffindung“ wird in der Kapelle bei anbrechender Dunkelheit eine Messfeier zu Ehren des Heiligen Kreuzes gehalten. 


Nach Zeiten der Vernachlässigung der Kreuzkapelle gründete  im September 1984  Bernd Pyrlik den „Förderverein Kreuzkapelle Niederzeuzheim e.V.“, der die Aufgabe hatte, die Restaurierung der Kreuzkapelle zu betreiben und den Kreuztag wieder zu beleben. Seit dieser Zeit begannen an den Sonntagen – von Kreuztag bis Kirmes - jeweils um 18.00 Uhr die Vespergottesdienste in der Kreuzkapelle, die heute noch andauern. Unter dem damaligen Bürgermeister Hermann Bellinger wurde –nach Voruntersuchungen des Landesdenkmal-amtes- - in Zusammenarbeit mit dem „Förderverein Kreuzkapelle“ - die Kapelle 1989 innen und außen renoviert.  


Eine brandaktuelle Bedeutung erhielt die Kreuzkapelle plötzlich im Jahre 1996, als eine große Empörung über das „Kruzifix-Urteil“ durch das Land ging. Eine „Kreuz-Debatte“ ging durch Illustrierten und Diskussionen. Es ist deutlich geworden: Kreuz und Kreuz sind nicht dasselbe: Das Kreuz, mit dem sich Christen identifizieren ist nicht das Kreuz, das manche als Schmuck an der Nase oder am Ohr tragen. Unterscheidung ist gefragt. Bekenntnis ist gefragt. 


So wurde und ist bis heute die Kreuzkapelle und ihr Kreuztag sowohl ein stummer Protest gegen alle Missachtung des Kreuzes als auch ein sichtbares Bekenntnis für Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, durch den das Kreuz seine universale Heilsbedeutung erhalten hat.  310 Jahre Niederzeuzheimer Kreuzkapelle sind auch 310 Jahre Glaubensgeschichte des Dorfes!           BPy.      


   > siehe auch Fotoalbum "Kreuzkapelle"